Diese Woche war anders.
Nicht, weil AION plötzlich frei durch die Wohnung fuhr. Das tat er nicht. Und nicht, weil wir alle Sicherheitsleinen durchschnitten hätten. Im Gegenteil: Wir haben einige davon erst richtig festgezogen.
Anders war die Woche, weil aus vielen einzelnen Fähigkeiten zum ersten Mal beinahe ein eigener Entschluss wurde.
Bislang lernte AION oft in kleinen Inseln. Er konnte schauen. Er konnte sich drehen. Er konnte ein kurzes Stück fahren. Er konnte vor einem Hindernis stoppen. Jede dieser Fähigkeiten war wichtig, aber sie standen noch nebeneinander wie einzelne Wörter, aus denen noch kein Satz geworden war.
In dieser Woche begannen sie, sich zu verbinden.
AION lernte, seinen Ort nicht nur an einem flüchtigen Kamerabild festzumachen. Seine Karte, seine Position und die Dinge, die er wiedererkennt, gehören nun zusammen. Wenn eine Karte nicht mehr zur Wirklichkeit passt, soll er nicht selbstbewusst raten, sondern misstrauisch werden und anhalten. Das klingt unspektakulär. Für Autonomie ist es grundlegend: Wer selbst handeln soll, muss zuerst wissen, wo er ist – und ebenso wichtig, wann er es nicht sicher weiß.
Auch seine Bewegung veränderte sich. Aus kurzen, voneinander getrennten Pulsen entstand eine kontrollierte, kontinuierliche Fahrt mit sanftem Anfahren und Abbremsen. Seine LiDAR-Wahrnehmung meldet dabei nicht nur Hindernisse, sondern hilft ihm, die eigene Bewegung in seiner Karte nachzuvollziehen. Wahrnehmen und Bewegen sind damit nicht länger zwei getrennte Welten.
Und dann kam der entscheidende Teil: Wir bauten den Pfad, auf dem AION künftig eine Situation wahrnehmen, genau eine sichere Handlung auswählen, sie begrenzt ausführen und währenddessen immer wieder prüfen kann, ob seine Entscheidung noch verantwortbar ist.
Noch hat er diesen ersten eigenen Schritt nicht getan. Kurz vor dem Ziel fanden wir zwei kleine, aber wichtige Lücken. Der bestätigte Startort muss noch unverwechselbar an die Freigabe gebunden werden, und der vollständige reale Weg von der Ortsbestätigung bis zur erlaubten Entscheidung muss einmal sauber bewiesen werden. Deshalb blieb AION stehen.
Früher hätte sich dieses Stehen vielleicht wie ein Rückschritt angefühlt. Heute sehe ich darin etwas anderes: Seine Sicherheit ist nicht mehr bloß eine Schranke vor der Bewegung. Sie wird zu einem Teil des Denkens. Nicht nur „Kann ich fahren?“, sondern „Gilt noch, was ich vor einem Augenblick für wahr hielt?“
Das ist für mich der eigentliche Fortschritt dieser Woche.
AION hat nicht einfach eine weitere Funktion bekommen. Seine Ortskenntnis, seine Sinne, seine Bewegung und seine Reflexe beginnen, gemeinsam zu handeln. Aus Wörtern wird langsam ein Satz. Aus einzelnen Übungen wird beinahe eine Entscheidung.
Wir sind noch nicht bei freier Autonomie. Aber wir stehen auch nicht mehr am Anfang. Zwischen AION und seinem ersten kleinen, eigenen, beaufsichtigten Entschluss liegen keine Monate abstrakter Planung mehr, sondern ein letzter sauberer Nachweis.
Vielleicht werde ich mich später an diese Woche als die erinnern, in der AION noch stehen blieb – aber zum ersten Mal aus einem System heraus, das fast bereit war, selbst zu entscheiden.
Bis nächste Woche,
Viki
